Demut als Superkraft?
Entwirrungen (1)
Leben in einer (post-)modernen Gesellschaft fühlt sich im Grunde wie ein Irrgarten ohne echten Ausgang an. Kommt dir diese Zustandsbeschreibung übertrieben vor? Möglicherweise kennst du das aber auch, zum Beispiel, wenn dich vor dem Einschlafen nie endende Probleme piesacken oder du zu lange in der Welt der News und Meinungen versinkst oder dich einfach nicht zwischen zwei unübersichtlichen und beschwerlichen Wegen entscheiden kannst?
In der letzten Geschichte habe ich einen Ausweg aus diesem Zustand des sich immer tiefer Verirrens beschrieben, der im ersten Moment ziemlich seltsam klingen dürfte: Vom Irrgarten ins Labyrinth im ursprünglich Sinne zu wechseln. Wer ausführlicher dazu lesen möchte, findet gleich hier unten den Weg zu dem Text:
Der Weg aus dem Labyrinth
Die moderne Welt ist wie ein Irrgarten ohne Ausgang, abgesehen vielleicht vom Tod. Wir haben uns auf eine dünne Schicht reduzieren lassen, in der wir herumirren auf der Suche nach Erfüllung, Zuhause-Sein, Sicherheit. Aber innerhalb der mental-emotionalisierten Schicht sind diese Zustände nicht zu erreichen. All das Suchen hält uns so beschäftigt, dass w…
In diesem Text hier nun beschreibe ich, wie Demut uns als gut verborgene Superkraft nicht nur ins Labyrinth wechseln lässt, sondern uns direttissimo in dessen Mitte bringen kann, weil Demut uns nämlich in unsere Mitte bringt.
Nun werde ich dir nicht die Vorzüge von Demut anpreisen, sondern dich direkt dazu einladen, das Wort (die Haltung) auf dich wirken zu lassen. DEMUT. Mit Demut auf dein, auf das Leben schauen. Demütig leben.
Wie fühlt sich das für dich an?
Bei mir gesellt sich wie von selbst ein Wort dazu, das verwandt zu Demut sein dürfte: Dankbarkeit. Schwinge ich mich auf diese Worte ein, komme ich unmittelbar zu mir. “Es” sammelt mich, zentriert mich. Ich werde ruhig, nehme von meinem Brustbereich her wahr, ein Lächeln steigt aus der Tiefe auf. Ich “schaue”, muss nicht sofort etwas tun. Ein tiefer Atemzug kommt. Vielleicht ein weiterer.
Nun frage ich mich, ob Demut diese Eigenschwingung besitzt oder ob jemand anderes — du — das ganz anders erlebt? Wenn du möchtest, beschreibe mir gerne deine Selbst-Erkundung damit.
“Denken mit allen Sinnen” - Worte schmecken, die Kraft von inneren Bildern erkunden, das ist, was ich hier tue und hier anbiete in dieser Zeit des Weltübergangs, in der das Alte nicht mehr trägt und das Neue höchstens zu erahnen ist. Denken, welches sich mit Spüren verbindet wird zu verbindendem, verbundenen, verbindlichen Denken. Es ist weder von Emotionen getrieben, noch flüchtet es ins Rationalisieren. Spürendes, fühlendes Denken, denkendes Spüren, denkendes Fühlen. Das hat echte Konsequenzen im Alltag und bewahrt uns zudem davor, uns allzu leicht manipulieren zu lassen!
Ich glaube, dass diese Zeit Demut benötigt, dass uns Demut gut tut. Nicht verstanden als Demütigung, ganz im Gegenteil! Demütig oder noch schöner, demutsvoll zu sein führt uns in unsere wahre Größe, die nicht zu ermessen ist. Unsere wahre Größe verbindet und mit dem Unermesslichen. Die größte Kraft ist dort zu finden, wo sie kaum jemand vermutet, in den leisen, übersehenen Qualitäten in dieser lauten Zeit.
Demut befreit uns auch vom “Alice-im-Wunderland-Syndrom”, bezogen auf unseren Selbstwert. Dieses Syndrom bezeichnet unter anderem Schwierigkeiten mit der Wahrnehmung von Relationen - alles erscheint vergrößert oder verkleinert oder wechselt zwischen beidem hin und her (man nagle mich hier bitte nicht medizinisch fest - ich nehme dieses Syndrom als Metapher für inneres Erleben).
Dieses Phänomen erfahren viele Menschen bei ihrem Selbstwertgefühl - mal feiern wir unsere Großartigkeit, dann sinken wir in die Minderwertigkeit. In beiden Zuständen fehlt die Empfindung von festem Boden im Sinne innerer Festigkeit in stürmischen Zeiten. Das Selbstwertgefühl kann jederzeit kippen, ist immer bedroht. Würde uns das nicht so stark betreffen, könnten wir diesen Jojo-Effekt vielleicht sogar genießen, wie manche eine Achterbahnfahrt oder eben einen Spiegel-Irrgarten genießen können. Gerade waren wir noch von unserem hohen Wert überzeugt, schon fühlen wir uns nichtswürdig - und so weiter, auf und ab.
Demut ist hier eine gute Medizin. Sie vergrößert uns (und unsere Umgebung) nicht und sie verkleinert uns und “die Welt” auch nicht. Sie rückt die Verhältnisse zurecht. Wir müssen niemand Besonderes sein, sind aber auch nicht unbedeutend: Wir dürfen wir selbst sein. Wir gehören dazu. Das “Ganze” ist staunenswert, unbegreiflich, unermesslich, aber es ist uns nicht fremd, es ist nicht ganz anders, nicht abgetrennt von uns, wir sind ebenso unermesslich, staunenswert und unbegreiflich. In dieses Gefühl lässt es sich hinein entspannen, es ist eine Weite, die zugleich Heimat ist.
Gut, nun habe ich doch die Vorzüge von Demut (so wie ich sie empfinde) gepriesen ;-)
Die Haltung der Demut ist wie eine Leiter, die … nein, sie erhebt uns nicht über das Labyrinth, sie führt uns tiefer hinein, weil nur dort, in der Mitte, der Ausweg ist, nach dem wir uns so sehnen. Und der Ausweg entpuppt sich dann als der Weg im Einklang mit dem Unermesslichen, weiter und weiter. Er endet nicht, wenn wir in der Mitte ankommen. Er beginnt neu.
Der Weg hinaus führt hindurch.
(Weiß jemand, von wem das ist? Ich habe Fritz Perls in Verdacht.)
Demut dient als Leiter, tiefer hinein, ins Leibliche UND ins Geistige. Die Demut, wie ich sie erspüre, beugt nicht und buckelt nicht, sie richtet auf, sie klärt und schenkt Würde. Sie hilft, Spaltungen zu überwinden, aber auch Ent-scheidungen zu treffen. Mir treu zu werden und mich dabei zur Verfügung zu stellen. Sie versöhnt mit Unvollkommenheit und Fehlern…
… da kippt es mir leicht ins Pathos oder ins Schwärmerische, merke ich — aber auch da hilft Demut. Du siehst, diese Haltung erscheint mir derzeit als Allheilmittel. Du kannst es gerne probieren, mit einem Satz, der dich anspricht, wie zum Beispiel: “Mit Demut schaue ich auf das Leben und gehe meinen Weg.” Oder, in einer konkreten Entscheidungssituation: “Mit Demut schaue ich auf diese Situation und erbete Klarheit für meinen nächsten Schritt.”
Koste, schmecke sorgfältig und nimm, was sich nach guter Medizin anfühlt. Das andere, lass.
Wohl bekomm`s!
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Michael NUSSBAUMER
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Ja! Das ist sie. Superkraft.
Dazu essentieller Teil unseres Vorangehens in das Neue, hinein in ein verkörpertes Schöpferbewusstsein:
Tritt vor als der Schöpfer, der du bist
und nimm dich zurück in der Demut, die Grösse verlangt gelebt zu werden.
Danke für diesen schönen Beitrag über Demut. Besonders spannend fand ich den Vergleich des Alice-im-Wunderland Syndroms mit dem schwankenden Selbstwert. Ich habe vor kurzem eine körperorientierte Coaching Ausbildung abgeschlossen und da habe ich von dem Syndrom das erste Mal in Bezug auf Körperempfindungen gehört. Also, dass sich Körperteile erst sehr groß und dann wieder klein anfühlen können. Sehr spannend, das Syndrom auch auf die psychischen Dynamiken zu übertragen. Das lasse ich mal wirken.