Kulturimpuls 2.0
wir sind in der nächsten Phase des Weltübergangs
Während es die alte Ordnung zerreißt und manche von uns sich verzweifelt an ihre gewohnten Haltegriffe klammern, sind andere von uns am Weg zu sich selbst. Inmitten von Desintegration erfahren sie vertiefte Integration, in dem sie sich auf ihre Verwurzelung in ihrer inneren Natur besinnen.
Das ist eine zentrale Entwicklungslinie, die in meinem Roman Weltübergang – Fundstücke im Riss der Welt zu finden ist. Es ist aber auch eine zentrale Entwicklungslinie unserer Zeit!
Den Roman gibt es beim Periplaneta Verlag oder im gängigen Online-Handel zu erwerben.
For fantasy is true, of course. It isn’t factual, but it’s true. Children know that. Adults know it too and that’s precisely why many of them are afraid of fantasy. They know that its truth challenges, even threatens, all that is false, all that is phony, unnecessary, and trivial in the life they have let themselves be forced into living. They are afraid of dragons because they are afraid of freedom.
Ursula K. Le Guin
Man kann sagen, dass wir in apokalyptischen, also enthüllenden Zeiten leben. Die „schönen“ Fassaden zerfallen und dahinter kommen die Grausamkeiten, die Lebensfeindlichkeit, die Herzlosigkeit, die Korruption, die Lügen und Manipulationen zum Vorschein. „Natürlich“ waren diese für Menschen, die sich eine lebendige Verbindung zu ihrer Seele bewahren konnten, schon davor wahrnehmbar. Ich bin in den Siebziger Jahren aufgewachsen, mit dem „klassischen“ sadistischen Alkoholiker als Volksschullehrer, dem freudlos-autoritären katholischen Pfarrer, dem „Landesfürsten“, etc. – denen all die „Erwachsenen“ um mich herum nichts entgegensetzten, sondern solchen Gestalten ihre Kinder überließen. Der Vorteil dieser Erfahrung ist, dass ich der Geschichte von der guten Herrschaft wenig Glaubenskraft geschenkt habe. Während viele den moralischen Verfall und die nackte Gewalt der externen Autoritäten mit Entsetzen erkennen, enthüllt sich für andere nur, was stets vorhanden war. Die Könige und Königinnen sind nackt und was da zu sehen ist, ist kein schöner Anblick.
Kulturimpuls
Strukturen, die uns systematisch von uns selbst entfremden bestehen schon sehr lange. Konträr zu der Erzählung über den menschlichen Fortschritt und die immer größere Freiheit, die mit diesem einhergehe, greifen die Strukturen der Entfremdung immer früher an, im Grunde schon im Mutterleib – und setzen sich meist nahtlos über die ganze Bildungs- und Berufskarriere hinweg fort. Autorität und Wissen wird außerhalb verortet, selbst wenn es um höchst individuelle Themen geht. Das wird uns eingeschrieben. Es wird verunsichert und dann Erleichterung für diese Verunsicherung angeboten: die externe Expertise.
Immer gab es dagegen auch Widerstand: Selbstbestimmung und Augenhöhe bei Anerkennung unterschiedlicher Fähigkeiten im Miteinander, Einbettung in Natur und Kosmos. Ein Lichtfunke, der sich nicht auf Dauer auslöschen lässt. Auch die jüngste Welle dieser Bewegung, an der ich mitwirken durfte, war auf diese Prinzipien ausgerichtet. Eine Transformationsbewegung, die innere Reifung und äußeren Wandel verknüpft. Mit zahlreichen Erscheinungsformen, von alternativen Bildungseinrichtungen über solidarische Landwirtschaft bis zu ganzheitlichen Medienprojekten, einem umfassenden Gesundheitsverständnis und partizipativen Politik- und Wohnformen und nicht zuletzt einem anderen Menschen- und Weltbild.
Als die herrschaftlichen Eingriffe in der C-Zeit besonders nahe rückten, zeigten sich tiefe Risse in dieser Bewegung, zwischen und in den Menschen, die sich doch alle mehr Lebensfreundlichkeit wünschen.
Ich glaube, es ist entlastend, all diese Projekte und Unternehmungen als Übungsfelder zu sehen, und weniger als Verwirklichungen lebensfreundlicher Lebensweise. Vielleicht noch nicht einmal als Modelle für eine neue Zeit, weil sie noch so viel Logiken von Entfremdung, Dominanz und Anfälligkeit für Ideologie in sich tragen. Ein Beispiel mögen die „erneuerbaren Energien“ sein. Möglicherweise stellen sie eine Verbesserung gegenüber Öl und Gas dar, aber echte Naturliebe und eine saubere Energiegewinnung vermag ich nicht in ihnen zu erkennen. Ähnlich ist es mit dem Narrativ vom Kampf gegen den Klimawandel – darin klingt so viel Kriegerisches, so viel Manipulation und Profitstreben mit, das mit tief gefühlter Naturverbundenheit und Lebensfreundlichkeit nicht zusammengehen will. Manchmal mag es ein gesteuertes Aushöhlen des Impulses für eine menschenwürdige Kultur sein, manchmal sind es Trauma-Programme oder einfach Unreife, die solche Unternehmungen erodieren lassen.
Kulturimpuls 2.0
Kürzlich kam das sprachliche Bild vom zweiten Kulturimpuls zu mir, der näher, tiefer und weiter geht. Mag sein, es ist „nur“ ein persönlicher Integrationsschub inmitten gesellschaftlicher Desintegration, aber es deutet sehr viel darauf hin, dass es eine Bewegung im menschlichen Bewusstsein ist. Das ergibt sich ja schon aus dem Beschriebenen:
Die Ent-Täuschung der letzten Jahre haben viele durchlebt, auch das Scheitern allzu großer Erwartungen an alternative Projekte ist eine verbreitete Erfahrung. Die Begegnung mit den Schatten war kaum zu vermeiden –und mit der schrittweisen Integration der gebundenen Kräfte, die im Schatten liegen, entsteht ein neuer Möglichkeitenraum.
Es ist ein komplexer Ausleseprozess, der auf der einen Seite ganz vieles zu sich zurück nimmt und auf der anderen Seite vieles von sich weist. Besonders spürbar wird das natürlich im Feld der Gefühle und hier bei so beschränkenden Gefühlen von Scham, Schuld, Angst, Groll und Neid. Für mich ist nicht nur in meiner persönlichen Entwicklung, sondern auch durch meine Arbeit als Prozessbegleiter von Menschen, Projekten und Unternehmungen augenscheinlich, dass diese Art der Gefühlsarbeit unerlässlich ist. Und mein Kompass ist hier sehr klar: Was führt mich näher zu mir und ermöglicht mir dadurch tiefer gehende Kooperation mit anderen – und was schwächt und vereinzelt mich? Das Schaffen von Kommunikationsräumen, in denen Menschen, Teams und Projekte zu sich kommen können, ihre Schatten integrieren, sich klären und neu ausrichten können ist der Kern meiner Arbeit mit dem Labor für Kulturtransformation.
Eine neue Kultur der Menschlichkeit kann nur entstehen, wo ein von Herzen kommender authentischer Selbstausdruck wirklich eingeladen ist. Und dieser weder „intern“ noch „extern“ als etwas rein Persönliches verstanden wird; vielmehr als eine Information für das Feld, die durch eine ganz spezifische, eigen-artige Entität/Fraktal zum Ausdruck kommt. Der Mensch als Doppelwesen von Abgegrenzt-sein und Durchlässig-sein, von Spiegelung des Ganzen und Unverwechselbarkeit.
Oder einfacher gesagt, kommunikative Räume, in denen du dich nicht zurückhalten musst; in denen eingeladen ist nach der inneren Stimmigkeit zu lauschen, anstatt alle Energie an äußere Anpassung oder Scheinharmonie zu verschwenden. Das geht nur mit Herz. Und Herz meint hier nichts Süßliches, sondern ein klares Spüren: Was stimmt? Wofür gibt es ein Ja und wofür ein Nein? Wer gehört wohin und wozu ist wer gerufen?
Da taucht in mir die Frage auf, ob das reicht? Ist ein Einüben in Stimmigkeit anstelle von vorgegebener Hierarchie ausreichend als Grundlage einer lebensfreundlichen Kultur? Ergibt sich daraus eine neue Ordnungsstruktur, wenn jede das tut, wozu er sich gerufen fühlt? Das Bild des Schwarms anstelle der Herde oder des Rudels drängt sich auf, aber ist das passend?
Ich glaube, dass wir Individualität auf einer neuen Ebene verstehen dürfen. Es gibt das „enge Ich“, das vor allem darauf schaut, nicht aus der Gruppe zu fallen und gleichzeitig seine Lebensgrundlage zu verbessern – aus diesen engen Ichs entsteht das enge Wir, das wir so gut kennen und worauf viele keine Lust mehr haben, weil es vorschreibt, bevorteilt und benachteiligt.
Für ein weites Wir braucht es weite Ichs, deren Individualität so ausgeprägt ist, dass sie mit dem Gemeinwohl verbunden ist. Anders gesagt: die Übereinstimmung vom kleinen Willen mit dem großen Willen, freiwillig, nicht als Unterordnung. Menschen wollen ihre Gaben zum Vorschein bringen; man muss sie nur lassen. Oder: Wir müssen uns selbst freigeben.
Einladungen:
Hier zwei Online-Angebote, die genau darauf abzielen: Dich selbst freizugeben, zu einem weiten Ich zu werden, das ein weites Wir ermöglicht. Räume der Ermöglichung:
Hier der Link zum Gratis-Ticket für kommenden Montag Abend!
Die zweite Einladung ist ein Online-Workshop zu Befreiter Kommunikation (BeKOM), dem Projekt für diese Zeit, das durch transformative Geschichten persönlichen und kollektiven Wandel ermöglicht. Es ist immer zauberhaft, wir freuen uns, wenn du am 29. April mit an Bord kommst! Alle Infos und Tickets gibt es hier.
Ich freue mich gerade, über den Reichtum, der sich da entfaltet, mitten in der künstlichen Knappheit!
Zum Abschluss eine Frage:
Vielleicht hast du auch Lust, mitzudenken über meine Frage, was es braucht, diesen Kulturimpuls für Lebensfreundlichkeit in der Breite wirksam werden zu lassen, falls du ihn auch spürst? Ein Beispiel: Wie würde ein auf Stimmigkeit aufbauendes öffentliches Verkehrssystem ausschauen? Da geht es ja um Planbarkeit, Verlässlichkeit, Abstimmung aufgrund von Einteilung… Oder geht es gar nicht darum, die derzeitigen Systeme umzudenken – beziehungsweise ist das eben die Aufgabe von anderen Menschen, die dafür brennen? Während Menschen wie ich (unter anderem) dafür da sind, Kommunikationsräume für Selbstwerdung und Kooperation zu schaffen und darüber zu schreiben? Oder ist es eben so, dass die Zeit der Planung zu Ende geht und die erneuerte Kultur durch Hingabe entsteht? Freu mich auf deine Perspektive!
Mögen alle Wesen auf allen Planeten glücklich sein (Segens-Mantra aus dem letzten Live-BeKOM-Event. Danke Ilva!)




