Nicht zu fassen!
... wie der Hund seinen Schwanz
Seit mehr als einem Jahr co-kreiere ich ein Projekt, bestelle ein Feld, das sich Befreite Kommunikation — BeKom! — nennt. Mir ist einerseits glasklar, um was es hier geht und andererseits entschlüpft es mir ständig.
Ich kann lange darüber reden oder schreiben, was es alles NICHT ist. Es ist keine neue Methode, es ist überhaupt keine Methode oder bestimmte Technik (obwohl es viele Werkzeuge gibt, die darin verwendet werden!) Es ist KEIN bestimmter Weg, den ich vorgegangen bin und anderen zeige. Es ist auch KEIN Rezept, noch NICHT einmal ein spezifisch umrissenes Weltbild.
Es hat Menschen schon auf die Palme gebracht, wenn ich ihnen nicht erklärt habe oder erklären konnte, was es denn nun ganz GENAU ist. Andere hat genau das glücklich gemacht und eben BEFREIT. Und sie haben, wundersamerweise, auch begriffen, um was es geht. Erstaunlich. Und völlig logisch!
Denn WAS BEFREITE KOMMUNIKATION ist, hängt stark davon ab, wer DU bist. Aber DU bist nicht allein.
So viel kann ich sagen: Es geht (mir) nicht darum, in jedem Moment JEDEM oder JEDER ALLES sagen zu können, was ich mir gerade denke oder fühle, ohne Rücksicht und auf Teufel komm raus. Sehr wohl aber geht es mir darum, in jedem Moment wahrnehmen zu können, wie es mir geht und was in mir vorgeht und was für mich stimmt. Und das als Richtschnur zu nehmen. Als DIE Richtschnur meines Lebens.
“Natürlich” ist eine der Quellen von BeKOM! die “Corona”-Zeit, aber da hat “es” sich nur sehr zugespitzt gezeigt und es ist ja seitdem nicht wirklich besser geworden. Was hat sich gezeigt, in meinen Augen? Unter anderem, dass es etwas gibt, dass man als Programme beziehungsweise Programmierungen bezeichnen kann und dem viele Menschen folgen, wie Automaten und ich nehme mich dabei nicht generell aus.
Eine Geschichte, eine Art, etwas zu fassen. Begriffe, die Weltbilder und Verhaltensweisen erschaffen. Kommunikationen, in denen es keine Begegnung gibt, keinen Kontakt, sondern das abspulen von “Code-Punken”. Das ist so, das ist beglaubigt, von Autoriäten. So denken wir. So sehen wir das. Und wer das nicht tut, mit dem stimmt etwas nicht. Böse oder dumm oder beides. Vielleicht auch verführt?
Aber all das war “eigentlich” nicht neu. Und es geht auch nicht nur um gesellschaftlich aktuelle, legitime Sichtweisen. Deutungsmuster, die die Welt erschaffen und unser Dasein und Miteinander bestimmen sind die Grundlage unserer Kultur. So wird das gemacht. Und nicht anders. Oder nur ein bisschen anders, weil Entwicklung wollen wir ja schon.
Wenn ich in dieses Feld blicke, entfaltet sich mir eine unglaublich vielfältige Landschaft und schon wieder versuche ich sie zu “erklären”, zu beschreiben, alles einzubeziehen. Aber: “Es” ist nicht zu fassen. Nicht ganz. Nie ganz.
Auch wenn ich in die “andere Richtung” gehe und zu beschreiben beginne, was ich sehr wohl verstanden habe, was BEFREITE KOMMUNIKATION IST — Übereinstimmung mit dir Selbst, Kohärenz zwischen leiblichem Empfinden, seelischer Essenz, Selbstausdruck und Handeln; die Fähigkeit, auch in engen, aufregenden Situationen WEIT werden zu können und Entscheidungen nicht aus Panikmustern oder aus Angst-, Scham- und Schuldprogrammen zu treffen, sondern aus den wirklich eigenen Werten und der situativen STIMMIGKEIT heraus… Auch wenn ich also positiv erläutere, was ich schon verstanden habe, beginnt es irgendwann auszufransen. Was meint Übereinstimmung mit dir Selbst genau? Gibt es eine Essenz, die einfach da ist, auf eine Art unabhängig von deinen Prägungen? Ist das wirklich fühlbar und zugänglich, oder wieder nur ein gedankliches Konstrukt?
WAS ICH ABER SAGEN KANN: Seit ich mich auf dieses Thema eingeschwungen habe, ausgerichtet habe und es zum Leitstern meines Lebens gemacht habe, befreit zu kommunzieren (und also wahrzunehmen, wo und wann es sich nicht frei anfühlt und wann eben schon und was ich dazu tun und lassen kann), hat sich mein Leben und meine Art mit anderen zu sein und zu sprechen MASSIV verändert. Es ist als ob ein helles Licht in alle Ecken meines Lebens scheint und alles beleuchtet und — manchmal schmerzhaft — bewusst macht, was noch auf Erlösung wartet. Und es beginnt sich WIRKLICH zu lösen, zu transformieren, ohne dass es sich schon angekommen, also ganz befreit anfühlt.
Warum also nicht BEFREIENDE Kommunikation? Ganz genau weiß ich das nicht, aber ich glaube, weil es eine größere Kraft hat, das schon als verwirklicht zu setzen. BEFREITE Kommunikation. Bereit?
Bislang ist es mir auch noch nicht passiert, dass ich damit hadere, einen Anspruch nicht zu erfüllen, wenn es sich nicht befreit anfühlt. Das ist gut, weil ich keinen neuen Maßstab in die Welt setzen will, sondern mitwirken will, das jeweils eigene Maß zu fühlen und zu finden. Im Frieden sein mit dem Gefühl von Scheitern oder Unvollkommenheit. Was für eine Befreiung! Befreung hatte ich mich vertippt. Auch gut!
Ich liebe diesen ganz praktischen Erkenntnisweg, auf dem ich immer wieder und wieder versuche, zu fassen, was BeKOM! nun ist und immer wieder daran scheitere und dabei immer entspannter werde.
So viele Schritte sind schon gegangen worden, Seminare und Texte und Gespräche und Übungen und immer wieder stehe ich am Anfang.
Ganz, am Anfang.
Kommende Woche, am 22. Jänner gibt es ein Seminar zu Befreiter Kommunikation in Wien. Um 18 Uhr, dauert etwa dreieinhalb Stunden, wird vermutlich wunderbar.
Hier geht es zur Anmeldung. Und weitere Infos stehen dort auch.
Und einen Halbjahresplan gibt es auch schon (fast), ausbaldowert mit Stefan Tilg von der Schnabelweide. Es wird jeden Monat (mindestens) einen Workshop geben, abwechselnd in Präsenz (in Wien und auch in Innsbruck) und Online. Wir werden dabei erkunden, wie es sich anfühlt, befreit zu kommunzieren und damit befreit zu leben. Anhand von konkreten Situationen, in einem gut gehaltenen Rahmen und gleichzeitig in einem offenen Prozess, soweit das beides zusammengeht. Wir werden das Unmögliche versuchen: in einer Gesellschaft, die viel darauf anlegt, uns davon abzubringen, uns Selbst auszudrücken und damit in die Welt zu bringen und damit die Welt zu verwandeln, eben das zu tun.
Und du bist ganz herzlich eingeladen, dabei zu sein und dich dabei einzubringen. Und Befreite Kommunikation dadurch zu ermöglichen, auch und nicht zuletzt finanziell. Es wird einen Jahrespass geben, einen Onlinepass und einen Förderpass. Und auch indem du diesen Kanal abonnierst, es weitersagst, segnest, deines dazu legst, kooperierst und co-kreierst… hilfst du mit, dieses unmögliche Vorhaben möglich zu machen.
Danke!
Und alles Liebe (gerade spür ich das wirklich. Schön.)

